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Das Christentum und Martinus’ Geisteswissenschaft
1. Ein Abenteuer aus dem wirklichen Leben
Wenn wir durch die Jahrtausende zurück blicken, sehen wir, dass von Zeit zu Zeit ein ganz ungewöhnliches Genie geboren wird. Nach meiner Meinung haben wir auf unserem blauen Planeten Besuch gehabt von einem moralischen Genie in Gestalt des dänischen Verfassers und Welterneuerers Martinus (1890-1981).
Am 11. August 1890 wurde Martinus Thomsen außerhalb einer Ehe in Sindal in Nordjütland (Dänemark) geboren, wo er seine Kindheit und den ersten Teil seiner Jugend zubrachte. Zunächst bekam er Arbeit in der Landwirtschaft und wurde später zum Meierei-Mitarbeiter ausgebildet. Danach arbeitete er in verschiedenen Meiereien in Jütland, bis er nach Kopenhagen umzog, wo er dann als 30-jähriger eine große Bewusstseins-Erweiterung erlebte.
Martinus lebte sein ganzes Leben lang ganz schlicht und sparsam, und zu Lebzeiten zog er auch keine größere öffentliche Aufmerksamkeit auf sich.
In der Osterzeit, im März 1921, erlebte Martinus das, was er selber „die große Geburt“ nannte, wodurch er „kosmisches Bewusstsein“ erlangte. Diese Geburt oder Einweihung, die einige Tage dauerte, hätte wohl keine größere Bedeutung gehabt, hätte sie nicht Martinus in einen neuen Bewusstseinszustand mit permanentem intuitiven oder kosmischem Empfindungsvermögen versetzt. Durch dieses neue Empfindungsvermögen erhielt er Zugang zu einer neuen Welt, und er wurde sozusagen in eine höhere Bewusstseinsebene hineingeboren. Von der Wissenschaft der Liebe, die er danach schuf, aus gesehen, war diese Welt seine wirkliche und natürliche Heimat.
Es kommt mir so vor, als ob wir in unserer Zeit auf der Erde Besuch von einem Gast aus einer höheren Welt gehabt hätten.
2. Der Hintergrund für Martinus’ Verfasserschaft
In seinem Buch Zur Geburt meiner Sendung und im Vorwort zu seinem Hauptwerk, Livets Bog (Buch des Lebens 1, LB1), berichtet Martinus, dass der auslösende Hintergrund für seine gesamte Verfasserschaft die tief gehende Bewusstseinsänderung war, die im März 1921 stattfand, als er „die weiße Feuertaufe“ und „die goldene Feuertaufe“ erlebte.
Martinus: „Die kosmische Feuertaufe, die ich durchgemacht hatte und auf deren nähere Analyse ich hier nicht eingehen kann, hatte also die Tatsache hinterlassen, dass in mir ganz neue Wahrnehmungsfähigkeiten ausgelöst worden waren: Fähigkeiten, die mich in den Stand setzten – nicht in kurzen Erleuchtungsblitzen – sondern vielmehr in einem andauernden wachen Tagesbewusstseinszustand, alle die hinter der physischen Welt existierenden, tragenden geistigen Kräfte, unsichtbaren Ursachen, ewigen Weltgesetze, Grundenergien und Grundprinzipien zu erkennen. Das Mysterium des Daseins war also kein Mysterium für mich. Ich war mir des Lebens des Weltalls bewusst und war in das ‚göttliche Schöpfungsprinzip‘ eingeweiht worden.“ (Livets Bog 1, 21).
Nach dieser kosmischen Feuertaufe hatte Martinus also neue Fähigkeiten erhalten, die ihn in den Stand setzten, in die Ewigkeit und Unendlichkeit selbst hineinzuschauen. Am 24. März 1921 hatte Martinus ein permanentes kosmisches Bewusstsein erhalten.
Martinus: „Ich sah, dass ich ein unsterbliches Wesen bin und dass alle anderen Wesen im Dasein ewige Realitäten sind, die wie ich eine unendliche Kette von früher erlebten Leben hinter sich haben, dass wir uns alle aus niederen, primitiven Daseinsformen zu unserem jetzigen Stadium entwickelt haben und dass dieses nur ein einstweiliges Glied in dieser Entwicklungsskala ist und wir also auf dem Weg zu gigantisch hohen Formen von Daseinsebenen in der Ferne sind. Ich sah, dass das Weltall ein einziges großes Lebewesen ist, in welchem alle anderen Wesen, jedes einzelne, Organe sind, und dass wir alle – Menschen, Tiere, Pflanzen und Mineralien – eine Familie sind, aus demselben Fleisch und Blut, bildlich gesehen.“ (LB1, 21).
In den letzten 60 Jahren seines Lebens schrieb er kraft seiner kosmischen Fähigkeiten ein Werk von circa 10.000 Seiten, womit er auch eine völlig neue Geisteswissenschaft und ein völlig neues Weltbild schuf – Das ewige Weltbild (DEW). In seinem Hauptwerk Livets Bog in sieben Bänden („Buch des Lebens“, LB1-LB7) von knapp 3.000 Seiten verwendet Martinus an einer einzigen Stelle für sein Werk den Begriff „Die ewige Weisheit“ (LB1, 7).
3. Ein auf Wissenschaft basierendes Christentum
Martinus sah sein Werk nicht nur als eine Geisteswissenschaft, eine Kosmologie und ein ewiges Weltbild an, sondern meinte auch, dass dies ein auf Wissenschaft basierendes oder intellektualisiertes Christentum sei.
Das Christentum war er tatsächlich in seinem Anfangsstadium eine Religion, aber Martinus zufolge wird es zu einer Wissenschaft, ja zu der Weltwissenschaft selbst werden, die die ganze Welt zusammenführen wird. Es wird Religion und Wissenschaft vereinigen, und es wird das Herz und den Verstand genauso vereinigen wie die Denkweisen des Ostens und des Westens. Wenn die ewigen Analysen in das Christentum hineinkommen, wird man sehen, dass das Ganze mit der Liebe und der Unendlichkeit zusammenpasst, und dann, meinte Martinus, wird das Christentum zur Wissenschaft und nicht länger eine Sache des Glaubens sein.
Diese Wissenschaft der Liebe wird beweisen, dass alles im Endergebnis das Bibelwort bekräftigen wird: „Alles ist sehr gut“. Martinus meint also, dass es richtig ist, wenn man in der Bibel nach der Erschaffung des gesamten Weltalls Gott aussprechen lässt: „Siehe, alles ist sehr gut.“
Martinus setzte sein Werk in Beziehung zu den beiden früheren Testamenten der Bibel, indem er seiner gesamten Geisteswissenschaft die Bezeichnung Das Dritte Testament gab, weil er seine Arbeit als eine Fortsetzung der „Christus-Mission“ ansah. Martinus erklärte, dass sein Werk Das dritte Testament identisch mit dem intellektualisierten, unsterblichen Christentum sei, das das künftige Lebensfundament der Menschheit sein und die Grundlage für eine neue Moral der Welt bilden werde.
Martinus war der Auffassung, dass diese neue Geisteswissenschaft der „Geist der Wahrheit“ bzw. „der Beistand, der Heilige Geist“ sei, der entsprechend der Prophezeiung Christi über die zukünftige Erneuerung des Lebens durch das Christentum kommen sollte:
„Der Beistand aber, der Heilige Geist, den der Vater in meinem Namen senden wird, der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe.“ (Johannes 14, 26).
„Noch vieles habe ich euch zu sagen, aber ihr könnt es jetzt nicht tragen. Wenn aber jener kommt, der Geist der Wahrheit, wird er euch in die ganze Wahrheit führen. Denn er wird nicht aus sich selbst heraus reden, sondern er wird sagen, was er hört, und euch verkünden, was kommen wird. Er wird mich verherrlichen; denn er wird von dem, was mein ist, nehmen und es euch verkünden. Alles, was der Vater hat, ist mein; darum habe ich gesagt: Er nimmt von dem, was mein ist, und wird es euch verkünden.“ (Johannes 16,12-15).
4. Das einzig Notwendige und der dauerhafte Frieden auf Erden
Auf was zielte die Arbeit von Martinus ab? – Eine der Antworten kann man im „Vorwort“ zum ersten Buch finden, das Martinus 1932 herausgab, nämlich im ersten Band des Hauptwerkes Livets Bog (LB1-LB7).
Da die irdischen Menschen nicht gleiche Erfahrung und gleiches Wissen haben, stehen sie auf unterschiedlichen Stufen in ihrer Entwicklung von der Dunkelheit zum Licht. Aber auf einer bestimmten Stufe in dieser Entwicklung wird es unumgänglich, sich eine absolut wahre Kenntnis über den Sinn des Lebens anzueignen, über die tiefsten Gesetze und die ewigen Grundprinzipien des Daseins, um das absolute Glück bzw. das vollkommene Schicksal zu erreichen. Für den irdischen Menschen ohne kosmisches Bewusstsein ist die Aneignung solcher Erkenntnisse tatsächlich „das absolut Eine, das was not tut“ (LB1, 6).
Martinus hatte diese ewigen Gesetze und Lebensprinzipien mit seinem kosmischen Bewusstsein selbst erfahren, und mit seinem Wissen der Wahrheit bzw. der ewigen Weisheit aus erster Hand fühlte er sich verpflichtet, dieses Wissen zu Nutzen und Hilfe gewöhnlicher Menschen verfügbar zu machen. Das gesamte Werk von Martinus ist so das Ergebnis seines Pflichtbewusstseins. (LB1, 7).
So wie Landkarten für den Geographieunterricht in der Schule nützlich sind, so gestaltete Martinus Symbole, um das Studium der Kosmologie für gewöhnliche Menschen einfacher zu machen. Die grundlegende Basis um diesen „ewigen Frieden“, der von der gesamten Menschheit so dringend ersehnt wird, auf der Erde zu schaffen, ist nämlich nach Martinus gerade das Ergebnis des Studiums und der Kenntnis der kosmischen Analysen, die unter allen Völkern verbreitet werden. (LB1, 8).
5. Martinus und die neue Weltmoral
Im Zusammenhang mit seiner Vortragstätigkeit und seiner Arbeit bei der Einrichtung des Martinus- Instituts (Mariendalsvej 96, 2000 Frederiksberg, Kopenhagen) sowie des Martinus-Centers (Klintvej 69, Klint, 4500 Nykøbing, Sjælland) stellte Martinus sich selbst oft die Frage: „Woran arbeiten wir eigentlich?“, und in einem Vortrag, den er im Juni 1975 hielt, antwortete er: „In der Tat ist es so, dass es um die Weltmoral geht. Tatsächlich geht es genau um die Weltmoral.“ (Dänischer Kosmos, Nr. 7/2004).
Martinus arbeitete also an eben dieser Weltmoral, die auf absoluter Wahrheit und absoluter universaler Liebe gegründet ist. Rein akademisch oder philosophisch gesehen kann es sehr interessant sein, Martinus’ Spirituelle Wissenschaft zu studieren, weil sie neue und bislang unbekannte Lösungen zu vielen philosophischen und erkenntnistheoretischen Problemen bietet; aber seine Arbeit hat außerdem ein ganz anderes praktisches Ziel, nämlich zur Schaffung einer neuen Weltkultur beizutragen, die auf einer neuen Weltmoral beruht.
Martinus’ Arbeit hat also ein globales Ziel, und auf diesem Hintergrund erscheint er als ein Welterlöser, ein Welterneuerer oder Weltlehrer. In den unterschiedlichen Heiligen Schriften innerhalb von Hinduismus, Buddhismus, Islam, Judentum, Christentum und anderen Religionen kann man viele Prophezeiungen über das Erscheinen oder die Wiederkehr eines großen Weltlehrers lesen.
Im Zusammenhang mit seinem zweiten Kommen in den letzten Tagen erklärte Christus, dass viele falsche Propheten erscheinen würden. Einige davon würden sich sogar als Christus selbst ausgeben.
Christus warnt: „Wenn dann jemand zu euch sagen wird: ‚Siehe, hier ist der Christus!’, oder: ‚Da!’, so sollt ihr's nicht glauben. Denn es werden falsche Christusse und falsche Propheten aufstehen und große Zeichen und Wunder tun, sodass sie, wenn es möglich wäre, auch die Auserwählten verführten. Siehe, ich habe es euch vorausgesagt. Wenn sie also zu euch sagen werden: ‚Siehe, er ist in der Wüste!’, so geht nicht hinaus, ‚Siehe, er ist drinnen im Haus!’, so glaubt es nicht. Denn wie der Blitz ausgeht vom Osten und leuchtet bis zum Westen, so wird auch das Kommen des Menschensohns sein.“ (Matthäus 24:23-27).
Jesus sagte ihnen: „Seht zu, dass euch nicht jemand verführe! Es werden viele kommen unter meinem Namen und sagen: ‚Ich bin's’, und werden viele verführen.“ (Markus 13:5-6).
Die große Frage ist daher, wie ein Welterlöser oder Weltlehrer die Weltbühne in modernen Zeiten betreten würde und wie man sicher sein kann, ob man einem echten Weltlehrer oder einem falschen Propheten gegenüber steht.
Ole Therkelsen, www.oletherkelsen.dk
Übersetzung, Christoph Schönhofer