Artikel
Evolution als Ausdruck für Denken und Bewusstsein
1. Kann die Evolution ein Produkt des Bewusstseins sein?
Die materialistische Wissenschaft weist konsequent von sich, dass die Evolution ein Produkt bewussten Lebens sein könnte. Von materialistischer Seite aus wird es als religiöse Haltung angesehen zu glauben, dass die Evolution eine Absicht verfolgt.
Die Theorie des Intelligent Design weist den Evolutionsgedanken von sich und argumentiert, dass die Arten unveränderlich seien. Einzelne Anhänger können jedoch eine darwinistische Evolution akzeptieren, solange eine intelligente Ursache angenommen wird, die die erste Zelle geschaffen und alles in Gang gesetzt hat.
Da weder der Darwinismus noch die Theorie des Intelligent Design die Evolution in Verbindung mit der Wirkung von Bewusstsein bringen, handelt dieses Kapitel von Martinus’ Deutung, wie die Evolution gesetzmäßig und zielgerichtet abläuft, und dass sie eine spezifische Ausprägung hat.
2. Was ist ein liebevolles Design?
In zahlreichen Vorträgen betonte Martinus, dass alle Schöpfungsprozesse in der Natur das letztendliche Ziel haben, zum Nutzen, zur Freude und zum Segen aller Lebewesen zu sein! – Daher ist es verlockend analog zum Begriff Intelligent Design den Begriff Liebevolles Design einzuführen!
Um die Idee einer vollendeten Schöpfung zu veranschaulichen, nannte Martinus oft die in der Natur geschaffenen reifen Früchte und Beeren. Die Frucht nimmt ihren Anfang mit der Bestäubung der Blüte und durchläuft dann einen Prozess mit verschiedenen unreifen Stadien, der im vollreifen Stadium zum Nutzen und zur Freude aller Lebewesen endet. Außer zur Gewährleistung der Verbreitung und Vermehrung der Pflanzen sind Früchte und Beeren dazu bestimmt, eine Gabe der Natur an Mensch und Tier zu sein. Das ist ein Beispiel für liebevolles Design! Was haben Mensch und Tier für die Erzeugung von Früchten und Beeren geleistet? Nichts! Sie sind ein reines Geschenk der Natur. Kosmisch gesehen ist die Entstehung reifer Früchte nicht nur der Pflanze wegen erdacht, geplant und verwirklicht, sondern auch als Nahrung für Tier und Mensch.
Ein weiteres Beispiel an dem Martinus einen vollkommenen Schöpfungsprozess aufzeigte, ist der geniale Aufbau der Organe und deren Zusammenarbeit im Körper.
3. Woran erkennt man, ob etwas Geschaffenes vollendet ist?
Ein Schöpfungsprozess benötigt eine gewisse Zeit, und solange er sein Ziel nicht erreicht hat, kann er seinen Zweck, zum Segen und zur Freude aller zu sein, nicht erfüllen. Als Beispiel für einen unvollendeten Schöpfungsprozess nannte Martinus oft saure Äpfel und die heutigen unvollendeten Erdenmenschen.
Es ist offensichtlich, dass die heutigen Menschen keinesfalls immer zum Segen und zur Freude für andere Lebewesen sind, weil sie dem letzten Teil des Tierreiches angehören, wo sie immer noch das tötende Prinzip praktizieren. Viele Menschen sagen: „Es gab immer Krieg, und es wird immer Krieg geben“. Aber dass es zu einer bestimmten Jahreszeit nur saure Äpfel gibt, ist ja kein Beweis dafür, dass sich später im Laufe des Jahres keine köstlichen Früchte einstellen. Vom kosmischen Spiralkreislauf aus gesehen ist der Erdball mit seiner Menschheit auf dem Weg zum reifen Stadium, auf dem Weg, in ein Weltreich der Liebe umgeschaffen zu werden. Der unfertige Erdenmensch ist auf dem sauren und bitteren Entwicklungsstadium des Apfels, während der vollkommene und allliebende Mensch mit dem reifen und wohlschmeckenden Stadium des Apfels verglichen werden kann.
In seinem Einführungsbuch Logik schreibt Martinus: „Wenn etwas wie Chaos aussieht, dann braucht dies nicht zu bedeuten, dass dies ein Ausdruck des Zufalls oder fehlender Logik sei. Ein Blick in einen Häuserblock, der im Bau ist, gibt uns ja auch den Eindruck, dass hier alles Chaos ist. Ziegelsteine, Kalkfässer, Balken, Gerüste usw. liegen zuweilen bunt durcheinander. Dies bedeutet jedoch nicht, dass hier kein logischer Plan ausgeführt wird, dessen Ziel der fertige Bau ist. Solange ein Plan unter Ausführung ist, zeigt er sich oft für den Uneingeweihten als Chaos.“ (Logik, Kap. 9).
In diesem Buch argumentiert Martinus außerdem dafür, dass Logik und Liebe dasselbe sind. Eine Handlung ist logisch, wenn sie zum Vorteil und zur Freude für die Lebewesen ist, und sie ist unlogisch, wenn sie ihnen schadet. Eine Handlung ist nur logisch, wenn sie zum Vorteil für das Ganze ist. Er meint, dass jeder Schöpfungsprozess in der Natur in seinem Endergebnis Ausdruck für eine hundertprozentige Manifestation von Logik ist und somit in entsprechendem Grad an Liebe.
Martinus schreibt: „Es kann unserer Wahrnehmung nicht entgangen sein, dass in jeder Bewegung, in jeder Schöpfung – gleichgültig wie chaotisch sich diese für den primitiven oder unintellektuellen Menschen auch ausnehmen mag – eine vollkommene Logik zum Ausdruck kommt, d.h. die Offenbarung vollständigster Nützlichkeit, was wieder dasselbe ist wie vollkommene Liebe. Die Kräfte der Natur sind also keine kalten oder toten Explosionen, sind kein Chaos und kein Zufall. Die lärmenden, tosenden und explodierenden Sonnengebiete mit den kolossalen Protuberanzen, mit ihren gewaltigen magnetischen Stürmen, die das Leben und die Natur der sie umgebenden Planeten beherrschen, sind also ihrer wirklichen Natur nach Ausdruck einer ungeheuer feinen Logik oder Planmäßigkeit und können daher nur eine entsprechend haarfeine Schöpfung der Logik, der Natur oder der Liebe ausführen.“ (LB2, 353).
4. Wie verhält sich die Naturwissenschaft zu ewigen Phänomenen?
In der Regel befasst sich die Naturwissenschaft nicht mit ewigen Phänomenen. Ihre Ergebnisse beruhen auf Messungen und sie hat ihr Arbeitsfeld auf geschaffene Dinge begrenzt. Die Wissenschaft ist auf ihrem eigenen Gebiet völlig autonom, wo sie in zahlreichen Beispielen die Wirkungsweise der Naturgesetze aufgezeigt hat. Aber jede Disziplin, die sich nur mit geschaffenen Erscheinungen beschäftigt, schließt damit zwangsläufig ewige Erscheinungen und Ursachen aus ihrem Tätigkeitsbereich aus.
Martinus: „Das Ich oder das lebende, denkende Etwas hinter dem Organismus und der Schöpfung, hinter dem Denken und Willen, hinter dem Erleben und den Manifestationen kann jedoch nicht gewogen und gemessen werden. Es macht keinen ‚erschaffenen Zustand‘ aus, sondern ist in sich selbst der Ursprung aller Schöpfung. Es kann darum nie begonnen haben, wie es auch niemals aufhören kann zu existieren. Deshalb hat es auch kein Alter. Es hat keine Form. Es füllt keinen Raum aus. Es macht die Unendlichkeit und Ewigkeit aus. Diesen Ergebnissen gegenüber ist der total materialistische Maß- und Gewichtforscher jedoch völlig immun. Er kann, wie gesagt, nur die Bewegung und den Stoff erkennen, aber nur als zufällige Auslösungen, von welchen die Lebewesen ein Resultat sind.“ (LB6, 2084).
Materialismus: Die Materie ist die Ursache des Denkens.
Martinus: Die Materie ist das Material für das Denken.
5. Wie sind Gedanken und Materie miteinander verbunden?
Die Naturwissenschaft erklärt, dass Gedanken ein Produkt der Materie seien. Martinus nimmt dagegen einen völlig anderen Standpunkt ein indem er behauptet, dass die Materie Material für das Denken sei.
Gedanken haben eine ungeheure Kraft. Martinus’ Analysen zeigen, dass alle zeitlichen Dinge kristallisierte Gedanken sind! Mit intuitiver Einfachheit und Klarheit erklärt Martinus, dass die gesamte physische Welt eine materialisierte Gedankenwelt ist. (Kosmos Nr. 3, 2005). Im gleichen Artikel „Der Tod und die Gedankenwelt des Menschen“ erklärt er, dass sich ihre Einstellung zu spirituellen Problemen und dem sogenannten Tod ändern würde, sobald die Menschen anfangen, dies zu verstehen.
Wenn es um die von Menschen geschaffenen Dinge geht, wie z.B. Autos, Fenster und Türgriffe, besteht ja kein Zweifel, dass sie materialisierte Gedanken sind. Warum sollten dann die Schöpfungen der Natur, die sicherlich nicht weniger genial sind, nicht auch Ausdruck von Gedanken sein? Alle Lebewesen, die innerhalb der vieldimensionalen Beziehungen des Mikro-, Zwischen- und Makrokosmos agieren, nehmen an dieser Schöpfung der Natur teil.
Materialisten glauben sich identisch mit ihrem physischen Organismus und sehen diesen als Ursprung ihres Denkens und Handelns an. Sie glauben also tatsächlich, dass es der Stoff oder die Materie sei, die denkt und handelt. In letzter Konsequenz bedeutet diese Art zu Denken, dass das Erschaffene seinen Schöpfer erschafft oder dass die Dinge sich selbst erschaffen. Dies steht ganz im Gegensatz zur Wirklichkeit, und in diesem Punkt ist der Materialismus eher ein Ausdruck für Aberglauben als für Wissenschaft.
Martinus setzt dagegen: „Es gibt nichts im Erfahrungsmaterial des Erdenmenschen, das beweist, dass etwas sich selbst erschaffen kann“. (LB3, 689).
Die physische Welt ist eine materialisierte Gedankenwelt.
6. Sind die Organismen in der Natur ein Produkt des Denkens?
Der deutsche Philosoph Max Weber (1864-1920) sagt, dass Maschinen geronnener Geist seien. Angesichts Martinus’ kosmischer Analysen könnte man auch sagen, dass alle Organismen in der Natur geronnener Geist sind!
Wenn es nicht um Maschinen geht, sondern um die noch genialeren Schöpfungsprodukte der Natur, verneint die Wissenschaft, dass diese Ausdruck von Bewusstsein und Denken sein könnten. Aber es ist nicht nur der Mensch, der denkt. Nach Martinus hat ein jedes Lebewesen ein Gedankenleben: Selbst Atome, Zellen, Organe, Planeten, Sonnensysteme, Galaxien und Supergalaxien sind Lebewesen. Ja, das ganze Weltall denkt in seiner Eigenschaft als Lebewesen. So schließen die Gedanken des Weltalls Wege ein, wie Mineralien über Pflanzen- und Tierstadien zu vollkommenen Menschen umgestaltet werden, um allen Lebewesen Nutzen und Freude zu bringen. Dies ist symbolisch in der Bibel ausgedrückt, wo Gott sagt: „Lasst uns Menschen machen als unser Abbild, uns gleichend“. In seiner Kosmologie hat Martinus die Gedanken des Weltalls für die gewöhnliche menschliche Intelligenz zugänglich gemacht (LB5, 1827).
Martinus beschreibt, wie man mit der Intuition erleben kann, was Materie in Wirklichkeit ist, nämlich Gedankenmaterial für das „Ich“ (LB2, 380). Mit Hilfe der Materie kann sich das „Ich“ selbst sichtbar machen, es kann handeln und erschaffen sowie seine Begehren und Wünsche befriedigen. Das kosmische Bewusstsein erlaubt uns, direkt zu erleben, dass es das Lebende im Lebewesen ist, d.h. das „Ich“ oder das Überbewusstsein (X1 und X2), das die Materie (X3) für sein Handeln und sein Lebenserleben benutzt. Der Organismus ist eine erschaffene Erscheinung, der dafür vorgesehen ist, einen bestimmten Zweck und somit einen bestimmten Wunsch zu erfüllen. Der Organismus eines jeden Lebewesen ist also die Erfüllung des Wunsches des „Ichs“ nach einem bestimmten Lebenserleben.
Auf Grund unserer einseitig intellektuellen Ausrichtung und mangelnder Intuition werden wir physischen Menschen leicht Opfer der Illusion, dass es die leblose Materie ist, die das Leben erschafft. Laut Martinus ist es jedoch genau umgekehrt, es sind die hinter der Materie liegenden Energien, die die dienenden Geister für das Denken und Lebenserleben des ewigen Ichs sind. Dieses Thema ist ausführlich beschrieben in Die ewigen Kraftquellen des Ichs, dem knapp zwei hundert Seiten langen Kap. 10 in LB2.
7. Kann das Leben durch Zufall entstehen?
Die Wissenschaft vertritt den Standpunkt, dass die Entstehung der Mikroorganismen, Pflanzen, Tiere und Menschen durch eine extrem lange Reihe zufälliger Reaktionen in der Materie erfolgte. Wäre die Anzahl der zufälligen Reaktionen nur groß genug, würde eine einzige der entstandenen, unfassbar langen Ketten aufeinander folgender zufälliger Veränderungen letztendlich zur Schaffung der ersten lebenden Zelle und später zum menschlichen Organismus mit dessen hoch entwickeltem Gehirn und Bewusstsein führen. Die Wahrscheinlichkeit für eine spontane Bildung unseres Organismus aus Wasserstoff- und Helium-Atomen in der ursprünglichen Gaswolke ist verschwindend gering. Aber trotzdem wird argumentiert, dass, wenn das Universum nur groß genug ist und eine lange Zeit zur Verfügung steht, könnte eine so gigantische Anzahl an Zufällen produziert werden, dass es eine endliche Wahrscheinlichkeit dafür gibt, dass sie das Leben an einem einzigen Ort im Universum hervorbringen. Aber neuere Funde in Australien deuten darauf hin, dass die Erde in verblüffend kurzer Zeit entstanden ist (Abschnitt 19.17).
Biologen und Raumforscher der NASA in den USA sind der Ansicht, dass das Leben nicht an einem einzigen Ort im Universum entstanden ist, sondern im Gegenteil überall dort, wo die physischen Bedingungen mit Wasser, den nötigen Grundstoffen, einer passender Temperatur und Atmosphäre usw. vorhanden sind. Leben müsste also notwendigerweise und nicht zufällig überall dort entstehen, wo die Bedingungen dafür gegeben sind. Jetzt wird auf dem Mars, auf dem Jupitermond Europa und auf den Monden des Saturn, Titan und Enceladus, nach Leben gesucht. Entstünde das Leben generell dort, wo die notwendigen Stoffe zur Stelle sind, würde das Argument kippen, dass das Leben auf der Erde durch einen einzigartigen Glücksfall entstanden sei, was auf dem Hintergrund einer zeitraubenden und unwahrscheinlichen spontanen Schöpfung kraft einer langen Kette erfolgreicher Zufälle und Mutationen gesehen werden muss.
8. Kann die Wissenschaft Leben auf materieller Basis erschaffen?
Martinus erklärt, dass Leben überall dort inkarniert, wo geeignete physische Bedingungen gegeben sind, auch dann, wenn diese Bedingungen von der Wissenschaft künstlich herbeigeführt wurden.
Martinus erklärt: „Und die betreffende Wissenschaft würde wohl glauben, dass sie ein Lebewesen oder neues Leben erschaffen habe. Aber in Wirklichkeit hat sie nur die physische Möglichkeit zur Inkarnation besagten Lebens, dessen „Ich“ und Geist, geschaffen, was wiederum das gleiche ist wie das Lebende im Lebewesen. Das Leben oder dieses Lebende ist somit nichts, was erschaffen wird, es ist etwas, das existiert. Aber überall, wo die Bedingungen zur Inkarnation in physischer Materie entstehen, inkarniert unweigerlich Leben oder dieses lebende Etwas, unabhängig davon, ob die Bedingungen nun künstlich oder auf natürliche Weise geschaffen werden.“ (LB6, 2167).
9. Was ist der Hauptunterschied zwischen Martinus’ Darstellung der Evolution und dem Darwinismus?
Die moderne Biologie beharrt darauf, dass es nicht die Fähigkeiten zur Analyse und zur Erfahrungsbildung sind, die die Evolution bestimmen, sondern das Spiel des Zufalls und die natürliche Auslese. Die Richtung der Evolution könne nicht vorausgesagt werden, da sie auf unvorhersehbaren Veränderungen basiere.
Martinus versichert, dass die Evolution nicht von zufälligen Faktoren bestimmt ist, sondern ein Produkt von Bewusstsein und gesetzmäßigen Beziehungen. Dank seiner Kenntnis der Prinzipien und Gesetze der Evolution war es Martinus möglich, die Richtung der Entwicklung vorauszusagen – in Richtung Vervollkommnung. Die Evolution ist wie eine Einbahnstraße. Aufgrund der ständigen Zunahme von Erfahrungen kann sie nur vorwärts und aufwärts gehen.
Dies schließt jedoch selbst in einem auf Bewusstsein basierenden Evolutionsprozess nicht die Notwendigkeit von Mutationen aus, um die nötigen technischen Verbesserungen in den physischen Werkzeugen für das Lebenserleben zu schaffen. Mathematiker unterscheiden zwischen einer notwendigen und einer zureichenden Bedingung: Mutationen sind notwendig, aber nicht zureichend um die Evolution voran- und emporzutreiben.
Martinus sagt uns, dass die Evolution kein Resultat von Zufall sei, sondern von Erfahrungsbildung und Intellektualität. Somit ist kein Erleben, keine Erfahrung, kein Training oder keine Übung im Hinblick auf die Evolution verschwendet. Die Entwicklung schreitet voran, weil die Erfahrungssumme des Individuums ständig wächst. Die heutige materialistische Biologie beschreibt nur das äußere physische Verfahren, das zur Schaffung dieser höheren Formen von Organismen notwendig ist.
Die Wissenschaft: Die Materie beherrscht das Bewusstsein.
Martinus: Das Bewusstsein beherrscht die Materie.
10. Ist die physische Materie das Primäre im Leben?
Der Naturwissenschaft zufolge ist die Materie die Ursache zur Erschaffung von Bewusstsein, was bedeuten würde, dass die physische Materie das Primäre und das Bewusstsein das Sekundäre wäre. Aber laut Martinus ist das Leben nicht identisch mit dem physischen Organismus. Der Körper ist nur ein Werkzeug zur Manifestation und zum Lebenserleben des „Ichs“ und des Bewusstseins.
Alle Lebewesen benötigen ein physisches Werkzeug, um sich in der physischen Welt zu manifestieren, um zu handeln und zu schaffen. Die physischen Stoffe sind nur solche Werkzeuge. Ein Werkzeug ist immer etwas Sekundäres im Verhältnis zum Benutzer. In der physischen Welt ist es nötig, Ohren zum Hören und Augen zum Sehen zu haben. In den fünf physischen Sinnesorganen zum Sehen, Hören, Fühlen, Schmecken und Riechen werden die physischen Reize zu elektrischen Impulsen im Nervensystem und im Gehirn umgewandelt, die somit die Pforte zur geistigen Welt sind, die spiritueller oder strahlenförmiger Natur ist. Das „Ich“ handelt in der physischen Welt, indem es durch das Gehirn und das Nervensystem elektrische Impulse aussendet, um die Muskeln zu aktivieren.
Der physische Organismus ist das Werkzeug, das dem „Ich“ Erleben und Sichtbarkeit in der physischen Welt ermöglicht. Es besteht ein fundamentaler Unterschied zwischen einem Werkzeug und dem, der es benutzt. Wenn es um eine Motorsäge und einen Waldarbeiter geht, verwechselt man nicht das Werkzeug mit seinem Benutzer.
11. Es steht ein Bewusstsein hinter dem Benutzer eines Werkzeugs. Aber gibt es auch einen Benutzer hinter dem Bewusstsein?
In der Regel haben alle physischen Werkzeuge einen sichtbaren Benutzer. Ein Autofahrer fährt sein Auto. Aber ist der sichtbare Körper des Fahrers in Wirklichkeit nicht auch nur ein Werkzeug für das Bewusstsein? Jenseits des Bewusstseins gibt es laut der kosmischen Analysen ein „Ich“, das das Bewusstsein steuert und benutzt. Dieses „Ich“ ist eine übergeordnete Instanz, die von den materiellen Phänomenen im Gehirn unabhängig ist und jenseits des Bewusstseins und der Gedankenwelt existiert. Das „Ich“ unterscheidet sich völlig von den Eigenschaften des Gehirns.
Die Gedanken sind nicht das Gleiche wie das Etwas, das die Gedanken denkt. Wenn das Bewusstsein und die Gedanken das Gleiche wie das „Ich“ wären, wie könnten wir dann unsere Gedanken lenken? Wir können gewisse Gedanken ignorieren oder entscheiden, sie in eine gewisse Richtung zu lenken. Wer aber fällt diese Entscheidung? Es ist das „Ich“, der universale und transzendentale Faktor, der über den gegenwärtigen Augenblick erhaben ist. Hier spricht Martinus von dem ewig existierenden „Ich“ als Besitzer und Benutzer sowohl des Bewusstsein als auch des Körpers.
Wäre das „Ich“ nur an den gegenwärtigen Augenblick gebunden, könnten wir überhaupt keine Pläne machen, die sich ja über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft erstrecken. Wir können uns nur an etwas erinnern, weil das „Ich“ als ewiger Besitzer des Gedächtnisses vorhanden ist. Wie würde es uns mit einem flatterhaften Gedächtnis gehen, das sich in dünne Luft auflöst? Sind wir hier nicht einem ewigen Ich, erhaben über Zeit und Raum, auf der Spur? Wo enden Zeit und Raum? Genau dort, wo alle Bewegung endet! Dieses göttliche Etwas, X1 oder das „Ich“, ist unser eigentlicher Kern, der alles überlebt, weil er ganz anderer Natur als der physische und der geistige Körper ist. Das „Ich“ ist unveränderlich und ewig.
Ole Therkelsen, www.oletherkelsen.dk
Übersetzung Christoph Schöhofer