Artikel
Die Fertigstellung von Martinus’ Werk
1. Das Martinus-Instititut
In einer Schenkungsurkunde, datiert auf den 18. Juni 1980, übertrug Martinus die Rechte an allen seinen Werken an das Martinus-Institut, einschließlich des Rechts, die unvollendeten Werke fertigzustellen.
Martinus: „Die Übertragung umfasst alle zukünftigen literarischen Arbeiten, Entwürfe für neue Arbeiten und Arbeiten unter Vorbereitung, alle Exzerpte, Hinweisungen, Notizen, Korrespondenz, Anlagen, Karten, Zeichnungen und sonstiges Material sowie das Recht, nicht abgeschlossene Arbeiten fertig zu machen.“ (Schenkungsurkunde, siehe www.martinus.dk).
Tage Buch (1911-2016), der in den Jahren kurz vor und nach Martinus’ Tod für die Veröffentlichung des Kosmos mit u.a. Martinus’ eigenen Artikeln verantwortlich war, weist darauf hin, dass nicht lektorierte Manuskripte, die seitens Martinus nur als Erstentwurf vorliegen, bearbeitet werden müssen. (Martinus Erinnerungen, S. 126; Dänischer Kosmos, Nr. 5/2015).
Während seiner eigenen Lebenszeit überließ Martinus die Überarbeitung seiner eigenen mehr oder weniger fertiggestellten Manuskripte von Artikeln und Vorträgen zwei Lektoren, Erik Gerner Larsson (1907-1973) und Mogens Møller (1914-1980). Am Ende des Artikels war immer angegeben, dass die Bearbeitung von Martinus bestätigt wurde.
Wenige Monate vor seinem Tod sagte Martinus, dass er nicht so viel geschrieben hätte, weil er nicht richtig sehen konnte um zu schreiben. Aber er sagte, dass das Material, das er auf Band aufgenommen hatte, benutzt werden könnte. Er erklärte, dass das Material, von dem er gesagt hatte, dass es benutzt werden könnte, lediglich angepasst werden sollte, weil gesprochene Sprache nicht das Gleiche sei.
Martinus wünschte, dass die unvollständige gesprochene Sprache seiner Vorträge in eine genau geschriebene Sprache in Form von Artikeln aufbereitet werden sollte. Ein Vortrag, sagte Martinus, ist nicht geeignet, um direkt niedergeschrieben und veröffentlicht zu werden; er sollte überarbeitet werden. Einmal gab es eine Mitarbeiterin, die einen Martinus-Vortrag fast wörtlich niedergeschrieben hatte, der er sagte, dass man ihn niemandem anbieten könne. Ein Mitarbeiter hatte ebenfalls den Versuch gemacht, die Bandniederschrift eines Vortrags herauszugeben, und er sagte, dass der Text, abgesehen von wenigen Versprechern, die ausgespart wurden, völlig identisch mit dem gesprochenen Vortrag wäre. Martinus war nicht zufrieden damit. Der Text sollte keine Kopie dessen sein, was er gesagt hatte, weil er keineswegs so schreiben würde, wie er gesprochen hatte. Sprechen sei etwas völlig anderes, sagte Martinus.
Die zwei Bücher Martinus’ Erinnerungen (1987) und Die Zusammenarbeitsstruktur (1992) sind aus Tonbandaufnahmen entstanden. Auf Treffen des Rates in den Jahren 1974-1981 nahm Martinus Richtlinien für die weitere Zusammenarbeit auf, die in dem Buch Die Zusammenarbeitsstruktur zusammengestellt wurden (Dänischer Kosmos, Nr. 7/2004).
Martinus: „Die Struktur soll mein Testament für die Übergabe meiner Sache an seine treuen und liebevollen Mitarbeiter nach meinem Ende auf der physischen Ebene sein.“
2. Fertigstellung der Symbolbücher
Im Jahr 1971 sagte Martinus: „Ich habe auch verschiedene andere Analysen, die geschrieben werden sollten, aber diese Analysen können in der Tat leicht weggelassen werden. Wenn ich von dieser Welt abberufen werden sollte, ist schon soviel geschaffen worden, dass die Menschen mit dem Material, das vorhanden ist, kosmisches Bewusstsein erlangen können (DEW, 76.1).
Dennoch meinte Martinus, dass es noch wichtig sei, etliche Symbole samt Erklärung zu veröffentlichen, und 1981, weniger als zwei Monate vor seinem Tod, drückte er dies als solches aus.
Martinus: „Ich kann nicht erwarten, so lange zu leben, aber ich meine, dass es wichtig ist, dass ich etliche Symbole fertigstelle. Offensichtlich kann ich keine langen Erklärungen zu jedem Symbol aufschreiben, aber ich kann allerdings etwas über die Prinzipien jeden Symbols schreiben. Und dann kann man vom Livets Bog und den anderen Werken her die Prinzipien nachvollziehen.“ (Martinus 06.01.1980, DEW5 und DEW6, Vorwort zum 2. Teil).
Martinus zeichnete ungefähr 100 Symbole, die er in sechs Bänden zu veröffentlichen beabsichtigte, DEW1-DEW6. Zu Martinus’ Lebzeiten wurden DEW1-DEW3 [Nrn. 1-33] jeweils in den Jahren 1963, 1964 und 1968 veröffentlicht. Unter Verwendung posthumer Manuskripte [Nummern 34-38] und von Symbolerklärungen aus LB1, Beisetzung und Kosmos [Nummern 39-44] wurde DEW4 1994 veröffentlicht.
Auf der Grundlage der Symbolbeschreibungen, die Martinus in Vorträgen, die in den Jahren 1955-1956, 1962 sowie 1970-1972 gab, wurde DEW5 im Jahre 2012 veröffentlicht. Dieses Buch handelt allein über das interessante Thema „Krankheit und Heilung in kosmischem Licht“ mit einer Gesamtzahl von 33 Symbolen [Nrn. 45-77]. Der letzte Band DEW6 [Nrn. 78-100] wurde 2015 veröffentlicht, wobei ich selbst in diese interessante Arbeit am Martinus-Institut eingebunden war. Mit der Fertigstellung dieses letzten Bandes beinhaltet das gesamte Symbolwerk Das Ewige Weltbild in sechs Bänden mit 100 Symbolen fast 1.000 Seiten.
3. Welche Bezeichnung benutzte Martinus zunächst für sein Werk?
Bei seinem ersten öffentlichen Vortrag am 1. Dezember 1930 legte Martinus auf allen Stuhlsitzen ein Blatt Papier mit dem Titel „Informationen über meine geistige Arbeit“ aus (Dänischer Kosmos, Nr. 5/1981). Hier benutzte er die Bezeichnung „meine geistige Arbeit“ und charakterisierte sie als „eine völlig neue Lehre über Liebe und Weisheit“, was ein Ausdruck für einen völlig neuen geistigen Weltimpuls, einen neuen Christus-Impuls war. Martinus versicherte, dass von Nachahmung keine Rede sein könne; seine Lehre über Liebe und Weisheit sei das Ergebnis seiner in Reinkultur entwickelten geistigen oder kosmischen Sinne, unterstützt durch mächtige Christus-Kräfte, für die er empfänglich geworden war. (Dänischer Kosmos, Nr. 5/1981, DEW6, 96.6).
Im ersten Band des Livets Bog von 1932 benutzte Martinus die Bezeichnung „Geisteswissenschaft“ nicht, aber er tat dies mehrfach im Kosmos Nr. 2/1932 in dem Artikel Interpretation des Livets Bog: Das Vorwort.
Bis 1960 war Martinus Geisteswissenschaft der meistgenutzte Begriff, aber Begriffe wie Martinus’ Weltbild, Martinus’ Kosmische Analysen und Das Ewige Weltbild wurden ebenfalls verwendet.
4. Einführung des Begriffs Martinus-Kosmologie
Um 1959-1960 ging Martinus dazu über, einen moderneren und internationaleren Ausdruck für sein Werk zu benutzen, nämlich Martinus-Kosmologie. Kosmologie ist die Erforschung des geordneten Universums. Die Wortbildung „Kosmologie“ war vielleicht neu, aber Martinus hatte den Wortstamm „Kosmos“ ausgiebig verwendet, seitdem er zu schreiben begann. Auf den ersten zwanzig Seiten des Vorworts im LB1 (1932) benutzt Martinus dementsprechend das Wort „kosmisch“ in zwölf unterschiedlichen Kombinationen: kosmisches Bewusstsein, kosmisch gesehen, kosmische Realitäten, das kosmische Weltall, kosmische Weltgesetze, kosmisches Bewussstseinsniveau, kosmische Wahrnehmungsfähigkeit, kosmischer Wahrnehmungshorizont, in kosmischem Sinne, kosmische Fähigkeiten, kosmische Manifestation und kosmisches Erlebnis.
Schon 1933 gab er seiner Zeitschrift den Namen Kosmos. „Es ist ein moderner Name neben Livets Bog und den anderen Büchern. Ich denke, wir sollten bei dem Namen Kosmos bleiben.“ (Die Zusammenarbeitsstruktur, 12.1).
Im Jahre 1958 wurde Kosmos mit dem Titel Kosmo in Esperanto übersetzt. Später wurde es Martinus klar, dass Kosmos in allen Sprachen Kosmos genannt werden sollte und nicht zum Beispiel in Esperanto Kosmo und in Englisch Cosmos usw. Martinus: „Ich meine der Kosmos sollte international sein, so dass er in allen Ländern den gleichen Namen haben kann.“
Weil es u.a. eine deutsche Zeitschrift mit dem Titel Kosmos gab, schlug Martinus auf einem Treffen des Rates einen Untertitel vor: „Kann man nicht neben dem Titel Kosmos „Martinus Kosmologie“ oder so etwas hinzufügen, so dass man weiß, worum es sich handelt?“ (12. November 1974, Die Zusammenarbeitsstruktur, 12.1).
Das Wort Kosmos wird auch in Russisch (Kosmonauten) mehr verwendet als in Englisch (Astronauten). Übrigens wurden ein paar Ausgaben des Kosmos in Russisch übersetzt.
1959 benutzte Martinus das Wort „Kosmologie“ zum ersten Mal in einem Kontaktbrief, der „An alle treuen Freunde meiner Arbeit!“ adressiert war. Er schreibt, dass im Anschluss an zwei Reisen von Erik Gerner Larson nach Indien, dort ein Zentrum für unsere Kosmologie bzw. Geisteswissenschaft gegründet worden sei. Weiter unten im Brief schreibt Martinus, dass es in Indien nun ein beginnendes Verständnis der „Kosmologie bzw. Geisteswissenschaft gebe, und dass es meine Mission gewesen ist, sie der Menschheit zu bringen.“ (Kontaktbrief, Sept. 1959).
1960 entschied sich Martinus, den Begriff Martinus Kosmologie statt Martinus Geisteswissenschaft zu verwenden. In einem Brief an Erik Gerner Larsson in Indien im Januar 1960 schrieb er, dass es vielleicht besser sei, den Namen in Martinus Kosmologie zu ändern.
Martinus schreibt: „Wenn du nach Hause kommst, denke ich müssen wir ein wenig über den Namen für unsere Sache reden. Ich denke, es wäre richtiger und praktischer, unsere Sache ‚Martinus Kosmologie‘ anstelle ‚Martinus Geisteswissenschaft‘ zu nennen. In den Wörterbüchern bedeutet der Begriff ‚Kosmologie‘ das gleiche wie die Erforschung des Universums, seines Ursprungs, seiner Entwicklung und seiner Ordnung, genauso wie eine kosmologische Darlegung gegeben ist, indem sie aus dem Aufbau des Universums auf Gott als seine Ursache schließt.“ (Dänischer Kosmos, Nr. 11-12/2004).
Martinus bezieht sich auf die Definition von „Kosmologie“ und „kosmologischem Beweis“ in der dänischen Enzyklopädie Salmonsens Leksikon (2. Ausgabe, Band 14, 1923).
Im Jahr 1960 vollendete Martinus im Alter von 70 Jahren sein Hauptwerk, und daher taucht der Begriff Kosmologie natürlich in allen früheren Schriften nicht auf, die den Hauptteil von dem, was Martinus geschrieben hat, ausmachten. Aber gerade eben im Jahr 1960 schreibt er in LB7, das die Lösung des Lebensrätsels das Gleiche sei, wie „die höchste Kosmologie oder Geisteswissenschaft“ (LB7, 2658).
Auch wenn Martinus in den letzten sechs Jahren seines Lebens ab 1975 dazu überging, auch das Gesamtwerk Das Dritte Testament zu nennen, hörte er nicht damit auf, den Begriff „Kosmologie“ zu verwenden. Er missbilligte niemals den Gebrauch des Begriffs Kosmologie und weder empfahl noch äußerte er jemals den Wunsch, den Begriff nicht mehr zu verwenden. Die Bandaufnahmen der Treffen des Rates im Zeitraum 1974-1981 zeigen, dass er selbst in dieser Zeit oft das Wort Kosmologie benutzte.
Zuletzt in seiner Rede zum 89. Geburtstag Christi Wiederkunft – Das Kommen des Beistandes benutzte Martinus den Begriff Kosmologie: „Wie ich bereits sagte, wenn ein kleines Kind auf die Welt kommt, ist das eine Geburt von der geistigen Ebene auf die physische Arbeitsebene, und wenn man stirbt, verlässt man diese Ebene und wird auf der geistigen Ebene geboren. So gibt es zwei Geburten, die erste nenne ich ‚Geburt I’ und die andere ‚Geburt II’, und dies werden die Begriffe sein, die in der Kosmologie in Zukunft verwendet werden.“ (Dänischer Kosmos, Nr. 7/2008).
5. Mitarbeiter verwenden den Begriff Martinus-Kosmologie schon im Jahr 1956
Wann fingen die Mitarbeiter an, den Begriff Martinus Kosmologie zu verwenden? Gemäß schriftlichem Material wurde der neue Ausdruck „Martinus’ Kosmologie“ als erstes von Tage Buch 1956 in einem Artikel über Martinus’ Bücher benutzt, die unter Verwendung von Esperanto als Brückensprache, zum Beispiel nach Englisch oder Tschechisch, übersetzt worden waren. Der Titel des Artikels ist La kosmologio disvastiĝas (Die Kosmologie wird verbreitet). (Kosmos 1956, Seite 63).
Im Jahre 1956 schreibt Mogens Møller, dass die Menschheit in der Zukunft Meisterschaft über ihren Geist erlangt haben und in der Lage sein werde, die Vereinigten Staaten der Erde bzw. ein Friedensreich zu schaffen. Er fährt fort: „Dieses Wissen über die psychischen Gesetze im Universum und über die Struktur des Geistes ist für diejenigen verfügbar, die heute suchen. Die moderne Geisteswissenschaft oder Kosmologie, von der die Menschen, bevor sie sie kennengelernt haben, oft fälschlicherweise glauben, sie sei eine neue Sekte oder Religion, hat schon vielen derjenigen, die suchen, in der chaotischen Situation, in der der Einzelne wie auch die ganze Menschheit sich heute befinden, Hilfe zur Selbsthilfe gegeben.“ (Dänischer Kosmos 1956, Seiten 29-30).
In drei Kosmos-Artikeln, die auf Manuskripten beruhen, die bis zurück in die 1940er Jahre datieren, taucht seltsamerweise das Wort Kosmologie auf. Dies sind die Artikel Vorsehung, Manuskript vom 4. Oktober 1953, im Kosmos Nr. 2-3/1966, Der Weg zu wahrer Freude vom 6. Juli 1947, im Kosmos Nr. 21/1968 und Urteil und Schutz vom 16. November 1947, im Kosmos Nr. 25-26/1968. Bei genauer Betrachtung findet man jedoch das Wort Kosmologie nicht im Martinus’ Originalmanuskript; es wurde in der Zeit von 1966 bis 1968 von Mogens Møller eingefügt, als er die Artikel bearbeitete, wahrscheinlich weil es der in den 1960ern meistbenutzte Name für Martinus’ Werk geworden war. Mogens Møllers Bearbeitung der erwähnten Artikel wurden von Martinus völlig gutgeheißen.
In einer Broschüre über die Aktivitäten des Instituts von 1960, mit einem Vorwort von Erik Gerner Larsson, kann man den Namen Martinus Institut für Kosmologie finden.
Es ist interessant, dass schon 1957 Erik Gerner Larssons Werk Kurs in Martinus-Geisteswissenschaft im Zusammenhang mit der neuen Arbeit in Indien in Englisch unter dem Titel Einführung in die Martinus-Kosmologie veröffentlicht wurde.
6. Im Jahr 1951 schreibt Martinus zum ersten Mal über „ein drittes und letztes Testament“
Martinus sagte, dass der neue Titel Das Dritte Testament etwas war, das schrittweise in seinem Bewusstsein reifte, was sich auch in dem folgenden historischen Bericht zeigt.
Wann Martinus erstmals ein drittes Testament mündlich erwähnte, ist nicht bekannt, aber das erste Mal, dass es in den Schriften erscheint, ist in Livets Bog 5, wo die Überschrift zu Abschnitt 1849 lautet: „Geisteswissenschaft als ein drittes und letztes Testament.“
1947 fing Martinus mit der Veröffentlichung von LB5 an, indem er die ersten 16 Seiten zusammen mit dem Kosmos und den Kontaktbriefen an die Abonnenten des Livets Bog schickte. Daher ist am Anfang des Bandes das Jahr 1947 als Veröffentlichungsjahr für LB5 angegeben. Aber die letzten 16 Seiten von LB5 wurden erst 1952 geschrieben, gedruckt und an die Abonnenten verschickt. Bei der Annahme einer einigermaßen konstanten Schreibgeschwindigkeit und ein wenig Interpolation habe ich herausgefunden, dass Martinus den Abschnitt 1849 im Jahr 1951 veröffentlicht haben müsste.
Martinus ist hier der Auffassung, dass das Gesetz des Moses im höheren Grade die Liebe zur Familie und das Fortpflanzungsprinzip förderte als die Nächstenliebe. Aufgrund der humanen Entwicklung der Menschen war daher das Alte Testament auf Dauer nicht zufriedenstellend und musste durch das Neue Testament ergänzt werden. Aber mit der fortgesetzten intellektuellen Entwicklung der Menschheit ist dieses mit Glaubensbekenntnissen und Dogmen für viele Menschen nicht mehr ausreichend und daher ist eine wissenschaftliche Erklärung des Neuen Testaments erforderlich.
Martinus: „Ist es nicht gerade diese Forderung, die gegenwärtig die Geisteswissenschaft erzeugt, die deshalb ein drittes und letztes Testament werden muss? – Nach diesem Testament braucht kein Mensch mehr die Anleitung anderer. Hier kann er ganz bis zur eigenen Einweihung oder geistigen Geburt geführt werden, wonach er selbst erhaben sein wird, eins mit dem Vater und dem Weltbild und somit selbst der Weg, die Wahrheit und das Leben.“ (LB5, 1849).
7. Im Jahr 1953 wird auf das dritte Testament als „Phase der Entwicklung“ verwiesen
Das erste Mal, dass Martinus die Bezeichnung das Dritte Testament direkt benutzte, war in seinem Vortrag über Heidentum und Christentum, Klint, 13. Juli 1953. Dieses Manuskript wurde zum ersten Mal im Kontaktbrief Nr. 12/1958 veröffentlicht. Hier verweist Martinus auf das Dritte Testament nicht als Titel für sein Werk sondern stattdessen als die letzte von drei Phasen der Entwicklung.
Martinus: „Die Entwicklung des Christentums kann in drei Phasen aufgeteilt werden, wie sie durch das Alte Testament, das Neue Testament und schließlich durch die Entwicklung der Geisteswissenschaft, die wir das Dritte Testament nennen können, repräsentiert werden.“ (Dänischer Kosmos, Nr. 4/1987 und 11/2002).
Das Christentum wurde schon in Gottes Worten zu Abraham gepredigt: „Durch dich sollen alle Geschlechter der Erden Segen erlangen.“ Die Propheten haben uns verkündet, dass ein König aus dem Geschlechte Davids geboren würde, ein Messias, der Heil und Segen auf diese Welt bringen würde. Aber obwohl das Christentum aus dem Judentum entstanden ist, sind die Worte des Alten Testaments „Auge um Auge, Zahn um Zahn“ kein Ausdruck für Christentum, das genau auf dem Gegenteil gegründet ist – Vergebung.
Der Kern der dritten Phase der Entwicklung ist die Geisteswissenschaft, die das Christentum in einer intellektualisierten und wissenschaftlichen Form zur Vervollkommnung bringen wird.
8. 1955: Das Dritte Testament – eine Weltepoche
In seinem Vortrag Die Weltepoche des Christentums vom 2. Oktober 1955 spricht Martinus über das Dritte Testament als ein Teil der Weltepoche des Christentums, als ein Stadium in der Entwicklung oder als Teil der Schöpfung des Menschen als Abbild Gottes.
Martinus: „Wir sehen also, dass das letzte Stadium der christlichen Weltepoche, d.h. die neue Weltkultur, bereits in den früheren Kulturen eingefügt war. Die Weltepoche des Christentums besteht aus drei großen Stadien. Das erste Stadium macht das Alte Testament und das Judentum aus, das zweite das Neue Testament und das Christentum, aus dem sich der materielle Zustand entwickeln sollte, und das dritte Stadium ist das Dritte Testament oder die Geisteswissenschaft, die eine Grundlage für die weitere Entwicklung der Menschen bilden wird und die garantiert, dass die Menschen es innerhalb dieser Epoche erreichen, eins mit Gott zu werden.“ (Dänischer Kosmos, Nr. 11/1991 und 3/2007).
In dem Vortrag betont Martinus, dass es Wissenschaft werden wird, dass Christi Wesensart das Modell für den vollkommenen Menschen als Abbild Gottes ist. Die Reihe der Analysen der Geisteswissenschaft, der man mit normaler Intelligenz folgen kann, zeigt in allen Fällen, dass es eine wissenschaftliche Wahrheit ist, dass man zur Freude und zum Segen für alles Lebende sein soll und dass Gott über alles und seinen Nächsten wie sich selbst zu lieben, die Erfüllung aller Gesetze ist. Die Aufgabe der Geisteswissenschaft ist es, diese Wahrheit zu verbreiten und alle Äußerungen Christi zu begründen und wissenschaftlich zu untermauern. Die Geisteswissenschaft ist nicht Geisteswissenschaft, wenn sie Jesu Bergpredigt nicht in jeder Hinsicht bestätigt.
Im Livets Bog erklärt Martinus, dass sein Weltbild nicht auf der Bibel beruht. Das Ewige Weltbild kommt einzig aus Martinus’ eigener direkter Vision, seiner eigenen direkten Wahrnehmung des Lebens selbst, und es ist ein keiner Weise ein Plagiat oder die Kopie eines anderen Buches. Wenn Martinus die kosmischen Analysen den Aussagen Jesu gegenüberstellt, geschieht dies nicht, um die Geisteswissenschaft zu unterstützen, da diese selbst auf den Gesetzen der Logik beruht. Es ist umgekehrt; es ist Martinus, der mit Logik und Geisteswissenschaft Jesu Aussagen rechtfertigt. Indem er einen biblischen Ausdruck verwendet, kann man sagen, dass Martinus Jesus „verherrlicht“. (LB3, 926).
9. Eine Unterbrechung von 13 Jahren bis 1968 für den Begriff Das Dritte Testament
In den frühen 1950ern benutzte Martinus den Begriff Das Dritte Testament mehrfach als Ausdruck für eine Phase der Entwicklung oder einer Zeitepoche. Dann folgte eine Unterbrechung von mehr als 13 Jahren, in der er den Begriff in Vorträgen, Artikel oder Büchern nicht verwendete – vielleicht weil der Begriff Martinus-Kosmologie genau in diesen Jahren an Boden gewann und der meistbenutzte Begriff wurde.
Wir müssen vorwärts in das Jahr 1968 gehen, wo Martinus in Varnhem, Schweden, in einem Vortrag den Begriff Das Dritte Testament wiederum verwendet, aber nun das erste Mal mit direktem Bezug zum Titel des Werkes, wobei er sagt, dass er es weiter entwickeln werde, damit es Das Dritte Testament werde (02.06.1968).
1969 verwendete Martinus den Begriff Das Dritte Testament mehrmals. Alte Programme zeigen darüber hinaus, dass Martinus sowohl im Institut am 10. Februar 1969 als auch in Jönköping am 13. Mai 1969 tatsächlich Vorträge mit dem Titel Das Dritte Testament hielt. Hier benutzte er das Dritte Testament als Bezeichnung für eine Weltepoche.
In den folgenden zwei Zitaten aus Martinus‘ Weihnachtsgrüßen benutzte er jeweils die Begriffe „das dritte und letzte Testament des Lebens“ und „eine neue Weltepoche, ein drittes Testament“.
Martinus: „Durch den neuen kosmischen Weltimpuls, durch das dritte und letzte Testament des Lebens, sehe ich den Stern von Bethlehem wie eine Sonne über der Erde aufgehen. Und vor dieser strahlenden Flut des Geistes Gottes sehe ich die schwarzen Sphären des Todes, der blutgetränkten Kriege von der Erde dahinschwinden, so wie die Nachtnebel sich vor der aufgehenden Morgensonne verlieren. Anschließend sehe ich die Christus-Botschaft ‚Friede auf Erden’ in jedem Auge funkeln, durch jede Hand liebkosen und durch jede Zunge segnen. Und unsere kleine Welt besteht weiter auf seiner Umlaufbahn im Weltraum als Insel der Seligkeit zwischen den Sternen.“ (Weihnachtsgruß 1969).
Martinus: „Die beginnende Humanität und Nächstenliebe einer neuen Weltkultur fangen an, ihre Geburtswehen durch den Niedergang, die Degeneration und Auflösung der alten Kultur zu zeigen. Und in einer neuen Weltepoche, einem ‚dritten Testament’, werden Heidentum sowie Aberglaube und Trugbilder des Christentums der zwei alten biblischen Testamente aufgelöst werden, indem sie aus den Herzen und Sinnen der Menschheit weichen, wie sich der dumpfe Nebel vor der Strahlenflut, dem Licht und der Wärme der aufgehenden Sonne verzieht.“ (Weihnachtsgruß 1970).
10. Im Jahr 1971 wird Das Dritte Testament verwendet, um ein Buch zu beschreiben
Als Martinus 1970 sein 80. Lebensjahr erreichte, hörte er auf zu reisen und Vorträge zu halten, um seine ganze Aufmerksamkeit auf das Schreiben zu richten. 1969 unternahm Martinus seine letzten Vortragsreisen nach Schweden und die Provinzen in Dänemark, und seine sechste Vortragsreise nach Island im Jahre 1970 ist seine allerletzte Vortragsreise geworden. Obwohl es geplant gewesen sein könnte, ging Martinus niemals mit Vorträgen nach Norwegen.
In den letzten zehn Jahren seines Lebens hielt Martinus üblicherweise während des Jahres nur zwei Vorträge, nämlich zur Eröffnung der Sommersaison im Martinus-Center, Klint, und am 11. August, an seinem Geburtstag, der in der Regel in den Räumlichkeiten der Ingenieursgesellschaft oder im Sheraton Hotel in Kopenhagen gefeiert wurde. Ich selbst hörte alle diese Vorträge und an seinem 81. Geburtstag 1971 war es besonders interessant, über seine neuen Pläne zu hören, die sich seit März 1971 geändert hatten.
Zwischen März und August 1971 erhielt Martinus einen starken Impuls in Bezug auf Das Dritte Testament. Am 50. Jahrestag der Sache, im März, sagte er nämlich, dass er dabei sei, DEW4 fertigzustellen und denke, er könne es im Sommer abschließen. So blieben noch zwei Symbolbücher, DEW5 und DEW6, von denen er hoffte, sie in 3-4 Jahren beenden zu können. (Vortrag 24. März 1971).
Aber kurze Zeit später änderte Martinus diese Pläne, weil er den intuitiven Impuls erhalten hatte, damit anzufangen, ein Buch zu schreiben, das sein Werk der Öffentlichkeit als Das Dritte Testament vorstellen sollte. Dementsprechend legte er seine Arbeit an den Symbolen mit der Absicht zur Seite, darauf später zurückzukommen, wenn er das Buch, welches Das Dritte Testament vorstellen sollte, fertiggestellt hätte.
Martinus: „Ich war gerade dabei, den vierten Teil des Symbolbuchs [DEW4] abzuschließen. Aber dann empfing ich einen höheren Impuls, dass ich sobald wie möglich ein anderes Buch anfertigen sollte, ein kleines Buch, in dem sich das ganze Weltbild in konzentrierter Form finden ließe. Die Zeit ist nun gekommen, dass wir erkennen und klar machen müssen, was hier in Skandinavien vor sich geht. Und das ist Das Dritte Testament. Es sind die Dinge, die Christus seinen Jüngern nicht sagen konnte, aber wie er sagte die Wahrheit, die der ‚Beistand, der Heilige Geist’, den der Vater senden werde, und sie sollte die Menschen alles lehren, was sie damals nicht verstanden.“ (Vortrag 11. August 1971).
Martinus hatte beobachtet, dass bei jungen Leuten eine spezielle Ansprechbarkeit für die kosmischen Analysen entstanden war. Er äußerte oft, dass sie „ein modernes Bewusstsein“ hätten, und sie „die beginnende neue Weltkultur“ darstellten. Für diese Jugend wollte Martinus gerne so schnell wie möglich etwas Kurzes über die Analysen schreiben, so dass sie möglicherweise später die umfangreicheren Werke lesen könnten.
In der letzten Dekade seines Lebens war Martinus vom Dritten Testament völlig in Anspruch genommen. Er sprach in fast allen Eröffnungsvorträgen in Klint und seinen Geburtstagsansprachen in Kopenhagen darüber. Mehrfach sprach er bei Institutstreffen sowie gegenüber Mitarbeitern und Freunden in privater Gesellschaft darüber. Er dachte viel darüber nach, wie er Das Dritte Testament einem breiten Publikum am Besten in Buchform präsentieren könnte.
Tage Buch schreibt: „Der Verleger Jarl Borgen, der von Martinus’ Idee über die Herausgabe eines Buches mit dem Titel ‚Das Dritte Testament’ gehört hatte – das war vorläufig ein Arbeitstitel für das beabsichtigte Buch –, bot Martinus im November 1971 in einem Brief an, dieses Buch herauszugeben [...] Martinus schaffte es nicht mehr, das beabsichtigte Buch oder den 4. Band des Symbolbuches herauszugeben, aber dieses Material liegt in Manuskripten vor und wird allmählich herauskommen, wenn es korrigiert ist. Ein Teil davon muss jedoch bearbeitet werden, da er nur in ersten Skizzen vorliegt.“ (Martinus Erinnerungen, Seite 125-126).
11. Im Jahr 1975 bezeichnet Das Dritte Testament das Gesamtwerk von Martinus
Bis 1975 verwies Martinus auf sein Präsentationsbuch als Das Dritte Testament, aber dann fing er ebenfalls an, den Titel Das Dritte Testament als Bezeichnung für sein Gesamtwerk zu verwenden. Dies wird anhand der zwei Vorträge klar, die Martinus im Sommer 1975 hielt (Dänischer Kosmos, Nr. 7/2004 und Nr. 7/2005). Im gleichen Jahr schrieb Martinus in diesem Zusammenhang auch einen Brief an einen guten Freund, Helmer Fogedgaard (1907-2002), über die Verwendung des Titels Das Dritte Testament.
Er schrieb: „Nach einer guten, gesunden ‚Generalüberholung’ meines Organismus geht es mir sehr gut, und ich bin sehr mit der Arbeit an dem Buch beschäftigt, das viele sehnlichst erwarten: Das Dritte Testament. Ich muss jedoch darüber informieren, dass das besagte Testament nicht lediglich ein kleines Buch ist, mit eventuell hundert Seiten. Es ist nicht weniger als die Zusammenfassung meiner gesamten erschienenen Bücher, Schreiben, Symbole und Zeitschriften. Aber es ist richtig, dass ich ein Buch schreibe, das zeigt, dass mein kosmisches Weltbild das ‚Viele’ ist, das Christus seinen Jüngern zu sagen gehabt hätte, was sie aber zu dieser Zeit ‚nicht tragen konnten’. Und was daher auf eine spätere Zeit verschoben werden musste (Johannes 16.12-15).
Mein neues Buch zeigt dementsprechend ‚Die Wiederkunft Christi’ oder richtiger ‚Die Wiederkunft des Christentums’. Christus kommt nicht in einer persönlichen physischen Inkarnation leibhaftig als Prediger und Wundertäter. Er warnte eindringlich davor, dass die Menschen dies glaubten. Er kommt im Gegenteil ‚in den Wolken des Himmels mit Macht und großer Herrlichkeit’ (Matthäus 24.30).
Was ist das für eine ‚Macht und große Herrlichkeit’? Ja! Lieber Helmer Fogedgaard, das ist genau das, worauf der Fokus in Das Dritte Testament liegt und das Spannende in meinem neuen Buch. Das Buch ist nicht fertig und das Thema noch nicht freigegeben. Daher kann ich dir heute nicht mehr verraten. Und hiermit einen sehr lieben Gruß, Martinus.“ (Dänischer Kosmos, Nr. 9-10/2004).
12. Livets Bog 1 unter dem Titel Das Dritte Testament
Bis dahin waren Martinus‘ Bücher einschließlich des Livets Bog nur in einem kleinen Privatverlag veröffentlich worden, aber kurz vor seinem Tod war es für Martinus sehr wichtig, Das Dritte Testament durch einen großen Publikumsverlag veröffentlicht zu haben. Wenige Jahre nach Martinus‘ Tod erzählte Jarl Borgen in einer Geburtstagsansprache vor einem großen Treffen von Martinus-Interessierten im Sheraton-Hotel, dass es seine Aufmerksamkeit erregt hätte, dass Martinus ein Präsentationsbuch in einem Band erstellen würde, weil er als Verleger wusste, dass es sehr schwierig ist, große mehrbändige Werke zu verkaufen.
Im Zusammenhang mit der Veröffentlichung der Bücher sagte Martinus oft: „Es ist an den Verlegern, zu uns zu kommen.“ Martinus würde die Sache nicht erzwingen, indem er dem Plan der Vorsehung vorgriff. Er war davon überzeugt, dass die Vorsehung zu gegebener Zeit ein Zeichen geben oder die richtige Person schicken würde. Da Jarl Borgen selbst an ihn herantrat, glaubte Martinus, dass die Vorsehung auf Borgen als den richtigen Verleger hingewiesen habe.
Weil Martinus es aber nicht schaffte, das Buch Das Dritte Testament komplett fertig zu schreiben, dauerte es ganze sieben Jahre, bis er wieder Kontakt mit Jarl Borgen aufnahm. Im März 1979 entschied sich Martinus nämlich, dass er das Hauptwerk LB1-LB7 unter dem Titel Das Dritte Testament wieder herausgeben wollte. Dies führte 1980 zu langwierigen Verhandlungen mit Jarl Borgen, der als Verleger wusste, dass es schwer sein könnte, die Neuauflage eines Buches und das auch noch in sieben Bänden zu verkaufen. Aber es war so wichtig für Martinus, dass das Werk in einem großen Publikumsverlag herauskommen sollte, dass er vereinbarte, Garantiekapital zu besorgen und Geld in das Unternehmen zu stecken.
Im Institut erzählte ein Büroangestellter, dass Martinus eine Zeit lang jeden Morgen in das Büro kam und fragte, ob es irgendetwas Neues von Borgen gäbe. Dies zeigt, wie wichtig die Veröffentlichung dieses Buches für Martinus war.
Einer großen Gruppe junger Mitarbeiter in Klint sagte Martinus zu Ostern 1978: „Wir sind der Anfang der neuen Weltkultur, wir besitzen das Wissen, das die Menschen haben sollten. Es wird eines Tages über die ganze Welt verbreitet sein. Wie man sehen kann, ist es schon auf viel fruchtbaren Boden gefallen; wir bekommen Briefe aus fast der ganzen Welt, obwohl die Bücher noch nicht zu den großen Verlagen gegangen sind. Meine Analysen und meine Bücher sind nämlich von der Vorsehung nicht freigegeben, bevor „Das Dritte Testament“ von den großen Verlagen veröffentlich worden ist. Dann wird es einen großen Tumult darüber geben, dann wird es seinen Segen und seinen Fluch erfahren. Aber wir müssen den Fluch nicht fürchten, weil wir selbst niemanden verfluchen, und so können wir davon nicht betroffen sein.“ (Dänischer Kosmos, Nr. 3/2004).
Tatsächlich sagte Martinus schon 1975, dass seine gesamtes Werk Das Dritte Testament sei, aber wenn in den Jahren 1971-1979 über das Dritte Testament im Zusammenhang mit Verlagshäusern und der Veröffentlichung gesprochen wurde, sprach er immer über das Präsentationsbuch, das, wie erwähnt, erklären sollte, mit welchem Recht er das Gesamtwerk Das Dritte Testament nannte. Wenn Martinus in den letzten zwei Jahren seines Lebens über die Veröffentlichung von Das Dritte Testament sprach, dann sprach er über die Wiederherausgabe des Livets Bog durch den Borgen-Verlag.
13. Martinus’ endgültige Entscheidung
Nur wenige Monate vor seinem Tod unterbrach Martinus jedoch die Arbeit am Vorwort und der Einleitung zu Livets Bog 1 mit der Erklärung des Konzepts von Das Dritte Testament. Er fing stattdessen an, einen Anhang über Licht und Dunkelheit in Bezug auf die zwei Titelsymbole zu schreiben. Nach Neujahr 1981 konzentrierte sich Martinus unter Verwendung seines neuen Philips-Computers darauf, diese neue Einleitung zum LB1 für die neue Veröffentlichung durch Borgen zu schreiben. Diejenigen, die Livets Bog schon gekauft hatten, sollten einen Sonderdruck dieses Anhangs erhalten, so dass sie LB1 nicht noch einmal kaufen müssten um ihn zu lesen.
Früh am Donnerstagmorgen, dem 5. März 1981, wurde Martinus jedoch mit einem Oberschenkelhalsbruch ins Krankenhaus aufgenommen, nachdem er wahrscheinlich in der Nacht aus dem Bett gefallen oder auf dem Schlafzimmerteppich ausgerutscht war. Am Sonntag den 8. März, drei Tage nach der Aufnahme im Frederiksberg-Krankenhaus, verließ Martinus die physische Ebene um etwa 1:30 Uhr.
In den seiner Krankenhausaufnahme vorausgehenden Tagen arbeitete Martinus sehr intensiv daran, diesen Anhang zum Livets Bog 1 abzuschließen. Am Dienstagabend schrieb er bis 2 Uhr morgens und am Mittwochabend bis ungefähr 10:30 Uhr. (Martinus Erinnerungen, Seite 159). Da Martinus in den Tagen vor seiner Krankenhauseinweisung so sehr mit diesem Anhang beschäftigt war, war er natürlich am letzten Tag im Krankenhaus auch sehr besorgt zu erklären, was mit diesem Text geschehen solle.
Ein Freund war am Samstagabend der Letzte, der mit Martinus im Krankenhaus gesprochen hat. Am Sonntag wurde auf einer Vorstandssitzung im Martinus-Institut über seine Information über Martinus letzte Entscheidung eine geschriebene Zusammenfassung erstellt.
Er berichtete, dass Martinus ihm am Samstagabend gesagt hatte, dass das, was als Erklärung der Symbole auf dem Umschlag von Livets Bog 1 geschrieben worden sei, das jetzt bei Borgen-Verlag veröffentlicht werde, nicht für diese Ausgabe verwendet werden sollte. (Quelle: www.martinus.dk/da/bo).
Es war Martinus’ letzte Entscheidung bezüglich seiner Werke! – Und damit war seine Mission beendet.
Der obige Bericht stimmt mit einer schriftlichen Aufzeichnung überein, die ebenfalls am Sonntag den 8. März von Per Thorell nach einem Anruf des oben genannten Freundes erfolgte.
Zitat: „Um 9:30 erhielten wir über Telefon die traurige Nachricht, dass Martinus in der vergangenen Nacht um 1:30 Uhr die physische Ebene verlassen hatte. Das Krankenhaus sagte, dass er friedlich gestorben sei. Den Abend zuvor hatte Martinus erfrischt und wach gewirkt. – Er hatte gesagt, dass er nun wisse, dass er in seiner Arbeit an den kosmischen Analysen und speziell an der Erklärung von Symbolen, von denen er gewünscht hatte, dass sie bezogen auf die Symbole auf der Vor- und Rückseite zusammen mit der Einleitung zur Neuausgabe des ersten Bandes des Livets Bog erscheinen sollten, unterbrochen worden war. Diese Analyse wäre für das allgemeine Begriffsvermögen des Erdmenschen für viele Jahrhunderte lang zu hoch. – Nun, wenn es so sein sollte, wird dieses Buch [Livets Bog 1] vermutlich in seiner heiligen Ursprünglichkeit veröffentlicht, wie ich es wollte und was ich auch in unseren Gesprächen über dieses Thema Martinus gesagt habe, wie es sein sollte.“ (Per Thorell, Zitat aus dem Tagebuch 08.03.1981).
Es sollte sich jedoch herausstellen, dass es noch 23 Jahre dauerte, bevor Das Dritte Testament, Das Intellektualisierte Christentum beim Borgen-Verlag im Dezember 2004 herauskam.
14. Die Veröffentlichung von DDT in zwei Etappen: 1981 und 2004
Diese letztliche Entscheidung von Martinus, dass die Erklärungen der Symbole auf dem Umschlag nicht in das Livets Bog einbezogen werden sollten, befreite den Vorstand des Martinus-Instituts von der großen Verantwortung zu entscheiden, wie Das Dritte Testament, Livets Bog 1 bald im Borgen-Verlag veröffentlicht werden sollte. Sollten das Vorwort und die Einleitung oder der Anhang mit den Symbolerklärungen
in das Livets Bog enthalten sein? Nein, Martinus hatte selbst entschieden, dass das Livets Bog ohne jegliche Erklärung des Titels Das Dritte Testament und der Symbole auf dem Umschlage veröffentlicht werden sollte – und so war es.
Schon 6 Monate vor seinem Tod hatte Martinus selbst eine Vereinbarung mit Jarl Borgen, dem Direktor des Verlags, bezüglich der Veröffentlichung getroffen; und 6 Monate nach Martinus’ Tod wurde Das Dritte Testament – Livets Bog 1 am 24. November 1981 von Borgen veröffentlicht.
Wenn Martinus über die Veröffentlichung von Das Dritte Testament sprach, sagte er oft, dass es wahrscheinlich „einen Aufschrei geben werde“, wenn das Buch herauskomme. Denken Sie nur – er schrieb, dass sein Werk Das Dritte Testament der Beistand, der Heilige Geist sei, und damit die Erfüllung der biblischen Prophezeiung bezüglich des Kommens des Beistandes und der Wiederkunft Christi, und dass er von Gott auserwählt und persönlich von Christus eingeweiht sei, um das Christentum hier auf der Erde zur Vervollkommnung zu führen!
Martinus: „Ich bin mir dessen bewusst, dass ich hier die Skepsis vieler Menschen einem sehr strengen Test unterziehe, tatsächlich einem so harten Test, dass er vielleicht den Weg zu meiner Kreuzigung darstellt, wenn Gott nicht einen anderen Plan für mich hat.“ (Das Intellektualisierte Christentum, 6).
Aber es gab keinen Aufschrei bei der Veröffentlichung von Das Dritte Testament, Livets Bog 1, denn es war nur die Wiederherausgabe vom Livets Bog. Die einzige Änderung war der neue Titel, Das Dritte Testament, was nicht weiter erklärt wurde. Von 1981 an sollten es 23 Jahre sein, bevor die Erklärung in Buchform erschien. Aber in all den dazwischen liegenden Jahren hatte sich die Menschen schrittweise an den Titel Das Dritte Testament gewöhnt, ohne ihn besonders empörend oder provokativ zu finden. Livets Bog 1 mit dem Titel Das Dritte Testament wurde unverzüglich in Schwedisch, Englisch, Serbo-Kroatisch, Tschechisch, Deutsch, Französisch, Spanisch, Esperanto und Niederländisch übersetzt. Nach und nach fingen andere Menschen in unterschiedlichen Sprachen an, den Titel Das Dritte Testament in ihren eigenen Schriften zu verwenden, wie man im Internet sehen kann.
Man mag sich fragen, warum es 23 Jahre brauchte, bevor das Buch mit der Erklärung des Begriffs Das Dritte Testament in veröffentlichter Form erhältlich war, aber es waren laut Martinus geistige Kräfte in der Gestalt der Vorsehung, die die Geschwindigkeit bestimmten. Dies folgt aus Martinus’ Willkommensansprache in Klint 1975, wo er über die Fertigstellung des Präsentationsbuchs über Das Dritte Testament spricht.
Martinus: „Es ist nicht meine Absicht, jedes Jahr hier zu stehen und zu wiederholen, dass Sie nächstes Jahr Das Dritte Testament erhalten werden. Ich verspreche Ihnen dieses Buch nun schon zum dritten Mal. Mein Gesundheitszustand hat mich jedoch daran gehindert. Und was Das Dritte Testament anbelangt, dürfen Sie nicht glauben, dass Sie betrogen werden. Es ist nicht wieder eine Enttäuschung. Das Buch wird noch herauskommen. Noch bevor ich geboren wurde, war festgelegt, wann die Dinge fertig sein werden.“ (Dänischer Kosmos, Nr. 7/2004).
15. Veröffentlichung des Präsentationsbuchs über Das Dritte Testament im Jahre 2004
In Übereinstimmung mit Martinus’ eigenem Wunsch war es der Vorstand, der die volle Verantwortung für die fortlaufenden Aktivitäten haben würde. Er sagte: „Nach meinem Hinscheiden ist der Wille des Vorstands mein Wille.“ Es ergab sich nun rein praktisch die Frage, was nach der Veröffentlichung von Das Dritte Testament, Livets Bog durch den Borgen-Verlag mit all den posthum zu veröffentlichen Manuskripten geschehen sollte. Ja, die Antwort lässt sich ganz einfach auf den ganzen Tonbändern finden, die bei Vorstandssitzungen in den letzten sieben Jahren von Martinus’ Leben 1974-1981 aufgenommen worden waren. Hier gab Martinus klare Hinweise, dass die Manuskripte für die posthume Veröffentlichung verwendet werden könnten. Er wünschte, dass diese Manuskripte für die Herausgabe von anderen korrigiert, überarbeitet, geordnet und fertiggestellt werden sollten (OT, Dänischer Kosmos, Nr. 6/2012).
Seine letztendliche Entscheidung, dass LB1 ohne das Vorwort und die Einleitung und ohne die Erklärung der Symbole veröffentlicht werden sollte, machte es nun möglich, dass Das Dritte Testament, Das Intellektualisierte Christentum nach Bearbeitung veröffentlicht werden konnte, wie es Martinus in den Jahren 1971-1979 ursprünglich vorhatte.
Die Symbolergänzung zum Umschlag, die der allerletzte Teil war, den Martinus für die Wiederherausgabe des Livets Bog 1 in den Tagen vor seinem Tod schrieb, wurde der allerletzte Teil in dem Buch Das Intellektualisierte Christentum, Posthum herausgegebene Manuskripte, das von Borgen am 15. Dezember 2004 veröffentlicht wurde. Dieses „Postskriptum“ ist sehr beeindruckend. In einem Brief schrieb Martinus sechs Monate vor seinem Tod ganz schlicht, dass er nun in der Warteschlange zu einer höheren Ebene der Existenz stehe, und das hat wahrscheinlich dazu beigetragen, dass Martinus beim Schreiben seines letzten Beitrags völlig in das Göttliche eingestimmt war. Hier analysiert Martinus unter anderem die Art, wie das Problem dargestellt werden könnte, ob die Allliebe ein geschaffenes oder ein ewiges Phänomen sei. Die absolut letzten Worte, die Martinus schrieb, waren: „Absolutes Unrecht oder wirkliches kosmisches Übel oder Teufelswerk ist in Gottes ewigem Bewusstsein ein Ding der Unmöglichkeit.“ (Das Intellektualisierte Christentum, 144).
Interessanterweise wurde die Danksagung gegenüber Gott, die das Erste war, das Martinus geschrieben hatte, im Livets Bog der letzte Teil, nämlich das Nachwort in LB7 – der Sohn Gottes, eins mit seinem Vater. Und der letzte Teil, den Martinus schrieb, war der letzte Teil in dem Buch über Das Dritte Testament (Nachwort, Das Intellektualisierte Christentum, 138-144).
Ole Therkelsen
www.oletherkelsen.dk
Übersetzung Christoph Schönhofer.